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Wasser, Müll und Radverkehr beschäftigen Schleswigs Jugendliche

Autor: CIS am 07.05.2019

Klimaschutz

Am Ende der Veranstaltung „Klimaschutz - Fridays for Future“ zum Wochenstart im Ständesaal des Rathauses in Schleswig betonte der Bürgermeister gegenüber den Schülervertretungen Schleswigs weiterführender Schulen, dass es sich mitnichten um Wahlkampf gehandelt habe.

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Bild: Vor der jüngst angelegten Blühwiese im Parkgarten hinter dem Schleswiger Rathaus versammelten sich Schülerinnen und Schüler um Bürgermeister, Dr. Arthur Christiansen (5.v. re.), Bürgervorsteherin, Susanne Roß (re.), neben Jens Bagehorn-Delor und in der Mitte der neue Leiter des Bauamtes, Philipp Schöning (hintere Reihe 6.v. li.), neben Dirk Jürgensen und Jürgen Augustin sowie der Lehrerin der Dannewerkschule Inga Krabebenhöft (4. Vli.). Foto: Stadt Schleswig
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Denn die Einladungen an die beiden Gymnasien (Domschule und Lornsenschule) sowie der beiden Gemeinschaftsschulen (Bruno-Lorenzen-Schule und Dannewerkschule) erfolgte bereits im März, als sich Dr. Arthur Christiansen noch nicht sicher sein konnte, ob er vom bürgerlichen politischen Lager (CDU und Freie Wähler) unterstützt würde. „Klimaschutz ist uns in der Stadtverwaltung und bei unserer Tochtergesellschaft Stadtwerke GmbH sehr wichtig“, formulierte der Bürgermeister bereits bei der Begrüßung. Daher stellten sich nicht nur die Führungskräfte des Rathauses, Bau-Fachbereichsleiter Philipp Schöning mit seinen Mitarbeitern Dirk Jürgensen, Jens Bagehorn-Delor und Elsbeth Schmidt den Fragen und Wünschen der 15 Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Bürgervorsteherin und Vorsitzende der Ratsversammlung, Susanne Roß, hörte sich – wie auch der Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH, Wolfgang Schoofs, und sein Technischer Direktor, Jürgen Augustin, sowie der zuständige Mitarbeiter, Thorsten Bock, für Energiegewinnung aus Eis und kalter Nahwärme - die Meinungen und Sorgen der jungen Frauen und Männer an.

Die Dannewerkschüler Tore Göttsche, Muhammed Ari Asil, Annika Speck und Shelly Rai Schreber wurden von ihrer Lehrerin Inga Krabbenhöft unterstützt, um ihren Wunsch mit finanzieller und baulicher Hilfe der Stadtverwaltung, einen Wasserspender an der Schule installieren zu können, zu realisieren. Erstens: Um weniger Plastikflaschen in der Schule entsorgen zu müssen, und somit auch einen wesentlichen Beitrag zum Wohle der Umwelt zu leisten, überhaupt Wasserflaschen aus Plastik kaufen zu müssen, wenn es doch einen Wasserspender in der Schule gäbe. „Außerdem werden dann vielleicht auch weniger zuckerhaltige Getränke konsumiert“, verdeutlicht der Schülervertreter Mohammed Ari Asil einen positiven Nebeneffekt.

Der Fachbereichsleiter Bau, Philipp Schöning, entgegnete, dass zunächst kein Wasserspender zur Verfügung gestellt werden könnte, sondern eine Wassertankstelle. Jedoch wollen sowohl der Bürgermeister und die Bürgervorsteherin das Thema zeitnah prüfen lassen. Susanne Roß warb in diesem Zusammenhang für die Wasserhähne an den Waschbecken in den jeweiligen Schulen, die dafür taugen würden, eigene Wasserflaschen zu befüllen. Der Geschäftsführer der Stadtwerke brach zudem eine Lanze für das Schleswiger Wasser, was aus 80 Metern Tiefe gefördert werde, etwa 3000 Jahre alt sei, und fast keine Nitratwerte aufzeigen würde. „Die Stadtwerke möchte sich finanziell daran beteiligen, Schulen mit Wasserspendern auszustatten, wenn die Stadt auch ihren Teil dazugibt“, rechnete Wolfgang Schoofs vor. An der Gehörlosenschule sei bereits ein Wasserspender installiert worden, ergänzte der Geschäftsführer. Der Bürgermeister verwies diesen Vorschlag sogleich in den Fachbereich Bau, um zu prüfen zu lassen, ob und wie die Installierung von Wasserspendern möglich sein könnte.

 

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung zog Schoofs nochmals Bilanz über die Verunreinigung der Schlei, der seinerzeit vermehrt auch durch die Stadtwerke Plastik unbewusst zugeführt wurde. Schoofs nötigte demzufolge verbal dem Konsumverhalten der Gesellschaft etwas mehr Sensibilität ab, ob dieser exorbitant hohe Verbrauch an Plastikflaschen – und Verpackung noch zu verantworten sei. Seine Generation sei sehr gut auch ohne diese Art Verpackung groß geworden; auch mit der nötigen Hygiene. Die Lornsenschülerin Finja Marten verwies bei diesem Thema auf eine besondere App namens „Codecheck“, die die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe jeglicher Produkte offenlegt – auch ob Mikroplastik enthalten sei.

Die Stadtwerke stellte ferner den anwesenden Schülervertretungen anheim, eine Veranstaltung an der jeweiligen Schule zu organisieren, um den Stadtwerken ein Podium zu bieten, sich und deren Arbeit mit und für die Umwelt zu präsentieren. Die Schulsprecherin Amina Engel der Bruno-Lorenzen-Schule nahm den Ball der Stadtwerke gern auf, und signalisierte, dass zeitnah dort eine Veranstaltung geplant werde. Auch die Lornsenschülerinnen Finja Marten, Hannah Speer und Leonie Schäfer möchten sich schnellstmöglich um eine solche Veranstaltung bemühen.

 

Zum Thema Wärme erklärte Schoofs den Schülerinnen und Schülern, inwieweit die Stadtwerke in Schleswig die Energieversorgung sicherzustellen und auch Möglichkeiten zu erarbeiteten und zu verbessern haben. Erstens ist vor langer Zeit in der Wikingerstadt ein Wärmenetz aufgebaut worden. Das Blockheizkraftwerk ist eine gelungene und effektive Energiegewinnung. Zudem sind an die 400 Photovoltaikanlagen in Schleswig bislang am Netz, welche eine lukrative Geldanlage erzielen. Ferner sind für die Stadtwerke zwei Windkraftanlagen in Betrieb. Die Tochter der Stadt Schleswig will deutlich an der Reduzierung der Co2 Erzeugung beitragen. Im Berender Redder werde ausschließlich auf Erdwärme gesetzt. „Die Stadtwerke nimmt das Thema Co2-Reduzierung sehr ernst. Wind und PV sind unsere alternativen Energien“, so Schoofs. Auch die E-Mobilität ist für die Stadtwerke ein zukunftsrelevantes Thema. Es stellt sich laut Schoofs derzeit die Frage wie 4.500 Fahrzeuge zeitgleich an E-Mobilität betrieben werden können.

Für die Jugendlichen erklärte der Geschäftsführer, was kalte Nahwärme ist, und dass im gesamten Berender Redder mehr als 1.000 Einwohner Co2-frei versorgt werden. Im kommenden Baugebiet „Wichelkoppeln“ wird mit Erdeis versucht, über einen Erdeisspeicher die Energie zu erzeugen. Damit Ressourcen schonend die dortigen Gebäude mit Energie zu versorgen. Zudem setzen die Stadtwerke die kalte Nahwärme bereits in der Kommune Gelting und der Stadt Eckernförde ein.

 

Jens Bagehorn-Delor, zuständig für öffentliche Grünanlagen und Landschaftsbau der Stadt, verwies im Fortlauf der Veranstaltung auf ein weiteres wichtiges Thema: Insektensterben. Die Stadtverwaltung ist dabei, die eigenen Grünflächen nicht mehr zu mähen. 12.000 m2 sollen umgewandelt werden, um Insekten mehr Raum zu geben. „Nicht nur das Mähen ist bei uns Thema, sondern auch die Artenvielfalt, die verbessert wird“, beschrieb Bagehorn-Delor. Für ihn bieten auch Obstbäume ein großes Nahrungsangebot für Insekten. Der Domschüler Lorenz Behling begleitet von Svea Hähling und Tim Ehlers machte daraufhin den Vorschlag, jedem Neugeborenen einen neu zu pflanzenden Baum als Paten zu „schenken“. Bürgervorsteherin Susanne Roß nahm sich sofort des Themas an, um es voranzutreiben. Ein guter Multiplikator ist in diesem Zusammenhang für Jens Bagehorn-Delor auch die jährliche Schulleiterkonferenz, um Wünsche und Vorhaben der Schulen mit der Stadtverwaltung anzusprechen und gegeben falls umzusetzen. Zum Thema „Schleswig-Holstein blüht auf“ machte der Bürgermeister den Vorschlag, Infoveranstaltungen anzubieten. Der neue Leiter des Fachbereichs Bau, Philipp Schöning, ist dankbar für die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler gewesen, um die Themen wie Grünflächenpflege- und Unterhaltung sowie die Idee, Bäume zu pflanzen für jeden Neubürger. Ist doch für ihn Schweden als die Lunge Europas ein gutes Vorbild, wo für jeden gefällten Baum vier neue gepflanzt würden. Zugleich verwies er, die gemachten Ideen und Vorschläge an service@schleswiger-stadtwerke.de oder gebaeudemangement@schleswig.de zu verschriftlichen.

 

Der Lornsenschülerin Finja Marten brannte das Thema Mülleimer und Zigarettenkippen unter den Nägeln. Sie stellte ebenso fest, dass die Mülltrennung der Schüler an deren Schule nicht gut funktioniere. Die Schulsprecherin der BLS, Amina Engel, warb dafür, das Thema Mülltrennungen aus der Grundschule auch in den Unterricht der weiterführenden Schulen aufzunehmen und zu vertiefen. Die Bürgervorsteherin und der Bürgermeister schlugen vor, vielleicht Recyclinghof Schleswig (ASF) in den Projektwochen einzubinden, um eine bessere Sensibilität bei den Schülern herzustellen. Die BLS-Schulsprecherin Amina Engel würde sich freuen, wenn ein zusätzliches Behältnis an Mülleimer installiert werden würde, um Pfandflaschen einzuwerfen. Damit müssten die Sammler nicht entwürdigend im Müll wühlen. Der Bürgermeister beauftragte sofort die Umweltdienste zwei solcher Behältnisse zu installieren – für eine Testphase. Jürgen Augustin signalisierte, dass sich die Ladenstraße dazu eignen würde, und wird es zeitnah umsetzen. Finja Marten von der Lornsenschule würde sich im gesamten Stadtgebiet zudem mehr Mülleimer wünschen. Auf Aufforderung sollen sich die Lornsenschüler um eine Auflistung kümmern, wo dringend mehr Mülleimer stehen sollten.

 

Abschließend wurde noch das Thema Fahrradinfrastruktur besprochen. Auf Wunsch aller anwesender Schüler, die eine Verbesserung für nachhaltig sinnvoll halten, führte der zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Dirk Jürgensen, so genannte Hot Spots an, die kurzfristig verbessert werden können: mehr Fahrradparkplätze für die Pendler am Bahnhof beispielsweise. Auch das Fahrradprojekt auf der alten Kreisbahntrasse führte er als Planung an, die umgesetzt werden soll, sodass dann vom Bahnhof bis in den neuen Stadtteil Auf der Freiheit eine gut ausgebaute Fahrradstrecke entstehen soll. Die Bürgervorsteherin schlug vor, dass das Projekt „Radsamkeit“ umgesetzt werden könnte, dass Fuß- und Radwege gemeinsam genutzt werden können, weil es in anderen Kommunen auch funktionieren würde. „Ein gemeinsamer Schutzstreifen durch die Stadt, wo es möglich ist, würde mich freuen“, sagte Susanne Roß abschließend.


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